Malraum Gerlingen - Vera Glückler

 

 

Was ist Begleitetes Malen?

 

Das Malspiel im geschützten Raum

Einfach mal malen!

Das Malspiel ist ein Ort zum Ankommen.
Ein Raum, in dem der Alltag leiser wird und etwas Eigenes wieder hörbar.

Hier zählt nicht das Ergebnis. Kein Bild muss gelingen, nichts muss „schön“ sein.
Es geht um den Moment, in dem der Pinsel das Papier berührt – um das stille, lebendige Erleben des Malens selbst.

Farbe darf fließen. Spuren dürfen entstehen.
Ganz ohne Vorgaben, ohne Erwartungen, ohne Druck.
Mit hochwertigen Pinseln und leuchtenden, ungiftigen Gouachefarben entfaltet sich ein Spiel, das in jedem Menschen angelegt ist – unabhängig von Alter, Erfahrung oder vermeintlichem Talent.

Der Malraum trägt diese Freiheit.
Er ist ruhig, klar und geschützt. Jeder Pinselstrich geschieht achtsam, getragen von Konzentration und innerer Sammlung.

Im Stehen wachsen Bilder an den Wänden.
In der Mitte des Raumes: ein Tisch voller Farben, offen, einladend, bereit.

Und alles, was entsteht, darf einfach sein.
Ohne Worte. Ohne Bewertung. Ohne Vergleich.
Die Bilder bleiben im Raum – bewahrt, still, unberührt von Urteil. Erst später dürfen sie ihren Weg nach draußen finden.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene malen hier nebeneinander – jeder für sich und doch verbunden im Tun.
Kein Lob lenkt, keine Frage fordert, keine Anleitung greift ein.
Nur der Pinsel, die Farbe und der eigene Impuls.

So entstehen Spuren, die nicht erklären müssen, was sie sind.
Spuren, die einfach da sein dürfen.

„Malen ist wie Träumen mit dem Pinsel auf dem Papier.“
A., 10 Jahre

Was bewirkt das freie Malen?

Freies, intuitives Malen öffnet einen spielerischen Zugang zu den eigenen schöpferischen Kräften.
Wie von selbst entfalten sich zeichnerische und bildnerische Fähigkeiten, getragen von Fantasie, inneren Bildern und dem Mut, Spuren zu hinterlassen.

Dabei wächst mehr als nur Ausdruck:
Die Persönlichkeit darf sich entfalten.
Eigenständigkeit entsteht, Selbstvertrauen wird spürbar – und auch die Verbindung zu anderen entwickelt sich leise und natürlich, jenseits von Wettbewerb, getragen von einem stillen Miteinander.

Wer sich von der Vorstellung löst, „schön“ oder „richtig“ malen zu müssen, findet zurück zu etwas Ursprünglichem.
Ein Vertrauen in die eigene Kraft entsteht – unabhängig, tragend, stärkend.
Und mit dieser inneren Sicherheit wächst zugleich eine neue Offenheit gegenüber anderen.

Im geschützten Raum des Malens erleben die Malenden ihre eigene Wirksamkeit.
Die anderen werden zu stillen Weggefährten im Spiel – präsent, zugewandt, ohne zu werten.
So wird das spontane Ausdrucksgeschehen selbstverständlich.
Was auf dem Papier erscheint, richtet sich an niemanden. Es will nichts erklären, nichts darstellen, nichts bedeuten müssen.
Darin liegt der wesentliche Unterschied zu Kunst im klassischen Sinne oder zu therapeutischen Ansätzen:
Hier darf Ausdruck einfach sein.

In diesem genussvollen Spiel gibt es kein „begabt“ und kein „unfähig“, kein „besser“ und kein „weniger gut“.
Unabhängig von Herkunft, Erfahrung oder äußeren Bedingungen begegnen sich alle auf Augenhöhe.

Und gerade in dieser Freiheit geschieht Entwicklung.
Fähigkeiten wachsen, vertiefen sich und werden zu einem bleibenden inneren Schatz.
Zurückhaltende Menschen finden Stärkung, lebhafte finden Ruhe.
Jeder Schritt entsteht aus sich selbst heraus – genau dann, wenn die Zeit dafür reif ist.

Das Malspiel schenkt Wohlbefinden.
Es stärkt Selbstvertrauen und Selbstbestimmung und löst sanft die Abhängigkeit von äußeren Maßstäben, von Vorbildern und Bewertungen.

Mit der Zeit vertiefen sich Bewusstsein und Achtsamkeit.
Inneres Wachstum beginnt – leise, beständig, ganz eigen.

Malen in altersgemischten Gruppen

In der altersgemischten Gruppe verliert der Vergleich seine Bedeutung.
Unterschiede werden nicht gemessen, sondern tragen – sie machen ein Nebeneinander möglich, in dem Konkurrenz keinen Platz findet.
So entsteht eine stille gegenseitige Anregung, frei von Druck, getragen von Offenheit.

In einer Welt, die oft laut, schnell und von Eindrücken überflutet ist, wird ein Ort der Beständigkeit kostbar.
Der Malraum setzt einen Gegenpol: einen Raum der Ruhe, des Innehaltens, des eigenen Ausdrucks.
Hier dürfen Menschen – unabhängig von ihrem Alter – wieder ins eigene Erleben eintauchen, ihre Kreativität entdecken und Gedanken entstehen lassen, die aus ihnen selbst kommen.
Aus Konsumierenden werden Schaffende.
Aus Reagieren wird Gestalten.

Für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter entfalten sich dabei wie nebenbei wichtige Entwicklungsschritte.
In der Freude am Tun wachsen Konzentration, Geduld und Feinmotorik.
Die Bewegung des Pinsels schult die Verbindung von Auge und Hand, legt eine Grundlage für das Schreibenlernen und lässt Formen entstehen, die später Bedeutung tragen.
Spielerisch, leicht, ganz ohne Druck.

Jugendliche und Erwachsene bringen oft den Blick des Vergleichens mit – und die eigene Kritik gleich dazu.
Im Malraum darf all das leiser werden.
Keine Bewertung, kein Ausstellen, kein Thema, das vorgegeben ist.
Nur das, was entstehen will.
Jeder malt im eigenen Rhythmus, folgt dem eigenen Impuls, findet seinen eigenen Weg.
Und während jeder ganz bei sich ist, entsteht zugleich ein Gefühl von Zugehörigkeit – getragen von der Vielfalt der Gruppe.

Wie viele Bilder in einer Stunde entstehen, spielt keine Rolle.
Was zählt, ist das Erleben.
Und oft begleitet dieses Gefühl von Zufriedenheit die Malenden weit über den Raum hinaus – hinein in ihren Alltag.

Das Malspiel verbindet Generationen.
Kinder, Eltern und Großeltern können gemeinsam kommen, Zeit teilen und doch jeder ganz bei sich sein.
Ein stilles Miteinander, das Nähe schafft, ohne etwas zu verlangen.

Seine volle Kraft entfaltet das begleitete Malen über die Zeit hinweg – im Wiederkommen, im Dranbleiben, im langsamen Wachsen.
Und doch: Jeder einzelne Besuch trägt bereits etwas in sich, das bleibt.

Die Rolle der Malbegleiterin 

Die Malbegleiterin nimmt eine dienende, unterstützende Rolle ein.
Sie hält den Raum – verlässlich, still und zugewandt – und schafft damit den immer gleichen Rahmen, in dem freies Malen möglich wird.

Ihre Aufgabe ist es, da zu sein: achtsam und präsent für jeden einzelnen Menschen im Malraum.
Sie sorgt für Struktur und Kontinuität, damit Sicherheit entstehen kann und sich die Malenden ganz auf ihr eigenes Tun einlassen können.

Sie achtet behutsam darauf, dass die Grundhaltung des Raumes gewahrt bleibt:
dass Bilder nicht besprochen, nicht beurteilt und nicht verglichen werden.
So bleibt der Ausdruck frei von äußeren Eingriffen.

Mit Sorgfalt stellt sie alle Materialien und räumlichen Bedingungen bereit, die dieses freie Arbeiten ermöglichen.
Wenn es notwendig ist, gibt sie kleine, zurückhaltende Impulse – immer nur dort, wo sie das Erleben unterstützen, nicht lenken.

Dabei hält sie ein feines Gleichgewicht:
zwischen der völligen Selbstbestimmung auf dem eigenen Blatt und den klaren, schützenden Grenzen, die das gemeinsame Miteinander tragen.

Ihre Präsenz schafft eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre, in der sich die Malenden sicher fühlen und ganz bei sich bleiben können.

Oft ist sie dabei nicht nur Begleiterin, sondern selbst Teil des Geschehens
sie malt ein eigenes Bild und ist eingebettet in die Gruppe, nicht außerhalb von ihr, sondern mittendrin in der gemeinsamen Stille des Malens.

 

"Ich lehre nicht.

Ich beurteile nicht.

Ich kommentiere niemals die entstandenen Malereien.

Ich erleichtere und schütze das Entstehen des spontanen Ausdrucks und das kreative Tun jedes Einzelnen."

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